Von der Unzerstörbarkeit des Wunsches,
der Transformierbarkeit des Triebes
und der Endlichkeit des Geschlechts
Vortrag von Elfriede Löchel, Bremen
Was meinen Analytikerinnen und Analytiker, wenn sie von unbewussten Wünschen reden? Im klinischen Kontext sind damit zumeist konflikthaft gewordene, verdrängte Triebwünsche angesprochen, die im nachhinein gedeutet und bewusst werden können. Aber was steckt in der uns so geläufigen Rede vom „Triebwunsch“ nicht alles drin! Wie kommt es zu diesem Nebeneinander? (Wie) gehören Wunsch und Trieb zusammen? Wie verhalten sie sich zueinander? Im siebten Kapitel der Traumdeutung hat Freud eine Konzeption des Wunsches als psychische Regung entwickelt, die sich von der späteren Triebtheorie unterscheidet. Was allein an dieser Stelle sich als eigenständige Konzeption des Wunsches abhebt, wird bereits im Verlauf der Traumdeutung überlagert von der Dynamik des (Sexual) Triebes, durch die sie später vollends ersetzt zu werden scheint. Konträr zu diesem scheinbar nur flüchtigen Auftauchen der Wunschkonzeption setzt sich aber das, wofür sie steht, durch das gesamte Freudsche Werk unter wechselnden Bezeichnungen fort. Diese frühe Konzeption des Wunsches, untrennbar von der der Wunscherfüllung, soll – in ihrer Unhaltbarkeit und Persistenz zugleich – herausgearbeitet und vom Trieb differenziert werden. Während Löchel & Menzner (2008) das prekäre Nachbarschaftsverhältnis von Wunsch und Trieb beschreiben, in welchem dem Trieb die Rolle zukommt, die halluzinatorische Wunscherfüllung zu unterbrechen, möchte ich in meinem Luzerner Vortrag die Verschränkung von Wunsch und Geschlecht im Freudschen Kastrations- und Ödipuskomplex untersuchen.
Elfriede Löchel, Prof. Dr. phil., dipl. Psychologin, Psychoanalytikerin DPV. Mitglied am Institut für Psychologie und Sozialforschung der Universität Bremen mit den Arbeitsschwerpunkten Entwicklungs-und Sozialpsychologie, Psychoanalyse der Geschlechterdifferenz sowie Sozialpsychologie des Technikumgangs. Psychoanalytikerin in eigener Praxis. Autorin und (Mit-) Herausgeberin diverser Bücher und Artikel (u.a. „’Jenseits des Lustprinzips’. Lesen und Wiederlesen“, in Psyche 8, 1996; „Inszenierungen einer Technik. Psychodynamik und Geschlechterdifferenz in der Beziehung zum Computer“, 1997; Mit-Hg. „Lust und Unbehagen an der Technik, 1999; Hg. „Aggression – Symbolisierung - Geschlecht“, 2000)
Datum: 25.09.2009, 20:00 Uhr
Ort: Hochschule für Soziale Arbeit (HSA)
Werftstrasse 1, Luzern
Unkostenbeitrag für Nichtmitglieder: Fr. 20.-


