Vortrag von Yvonne Schoch, Luzern
Die Verflüchtigung des Sexuellen in der Psychoanalyse ist heute ein Thema im psychoanalytischen Diskurs. Heinz Müller Pozzi sagt dazu: „ Der Psychoanalyse droht ihr ureigenster Kern, die Triebtheorie, abhanden zu kommen.“ Die Verführung stand und steht aber am Anfang jeder Beziehung. Das hat schon Freud entdeckt und Laplanche in der Allgemeinen Verführungstheorie konsequent weiterentwickelt.
Die Urverführung geht von der Anderen aus und ob Junge oder Mädchen, die erste Verführerin ist die Mutter. Julia Kristeva sagt dazu sehr treffend: „ Der Psychoanalytiker ist von Beginn an in die Liebe verstrickt, vergisst er es, so treibt er zwangsläufig keine Analyse".
In meinem Vortrag möchte ich der Frage nachgehen, welchen Einfluss das Geschlecht der Analytikerin/ des Analytikers auf das Übertragungs- Gegenübertragungsgeschehen hat, und ob es auf dasselbe herauskommt, ob sie oder er mit einer Frau oder einem Mann arbeitet. Ich werde der Frage nachgehen, ob ich etwas über Männer und Frauen in der Therapie aussagen kann, was nicht nur auf individuellen Wünschen beruht.
Dies ist natürlich ein gewagtes Unterfangen, da jede Therapie, jede Analyse ein individuelles Abenteuer ist und es deshalb kaum möglich scheint, darüber etwas Allgemeingültiges auszusagen.
Die Thesen, denen ich nachgehe möchte, sind folgende:
- als Analytikerin entwickle ich bei Frauen rascher Gegenübertragungsgefühle, die geprägt sind von mütterlichen Gefühlen.
- Frauen zeigen rascher Übertragung, die von Wünschen nach Anerkennung und Abhängigkeit geprägt sind.
- In der Gegenübertragung stellen sich bei mir bei Männern direkte sexuelle erotische Gefühle eher ein als bei Frauen.
- Männer neigen eher dazu das Bewusstsein der erotischen und Abhängigkeits- Übertragungsgefühle zu verneinen.
Zwei Fallvignetten sollen dazu dienen die Thesen zu diskutieren.
Yvonne Schoch ist Dr. med., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH. Sie arbeitet als Psychoanalytikerin und Supervisorin in eigener Praxis in Luzern und Zürich, ist Gründungsmitglied des PSL und arbeitet als Dozentin am PSZ.
Interessensschwerpunkte: Fragen der Geschlechterdifferenz und Weiblichkeit, Fragen zur Psychoanalytischen Technik, Trauma und transgenerationelle Übermittlung.
Datum: Mittwoch, 11.11.2009, 20:00 Uhr
Ort: Hochschule für Soziale Arbeit (HSA), Werftstrasse 1, Luzern
Unkostenbeitrag für Nichtmitglieder: Fr. 20.-


