Dialog und Diskussion mit Christian Kläui, Basel
Freud hat in seinen Schriften betont, dass das Reden und Erzählen in einer psychoanalytischen Stunde triebhaft ist, dass sich in der Rede selbst das Unbewusste darstellt, sich ein- und es umschreibt. In dieser ‚talking cure’ geht es gerade darum, eigene Worte zu finden, „es“ zu sagen, und auch zu erfahren, dass „es“ auch anders gesagt werden könnte.
Das psychoanalytische Arbeiten ist auf den Fortgang des Gesprächs ausgerichtet, darauf, dass es in Bewegung und offen bleibt.
Das Spezifische des psychoanalytischen Arbeitens ist das Hören. So streicht es Christian Kläui in seinem eben erschienen Werk "Psychoanalytisches Arbeiten - Für eine Theorie der Praxis" (Huber Verlag 2008) hervor. Es gehe um die Möglichkeit zu verstehen und um das Wahrnehmen des Nicht-Verstehens sowie um das Unerhörte in der Rede, darum, im Missverständnis das Unverstandene zu hören.
„Statt verstehen zu wollen, was seine Patientin ihm [Freud] sagen wollen, versucht er zu hören, was sie ihm tatsächlich sagen, auch ohne dass sie es wissen und beabsichtigen. Hören, in diesem Sinn, ist also mehr als nur offen und unvoreingenommen jemandem zu begegnen. So zu hören ist an ein theoretisches Konzept gebunden, an eine Grundannahme, die Freud macht. Diese Annahme ist natürlich diejenige des Unbewussten“, notiert Christian Kläui.
Was also heisst „Hören“? Wie lässt sich dieses Hören triebhaft verstehen? Welche Entscheidungen, welche Wahl setzt ein solchermassen verstandenes und konzeptionell erfasstes Hören für die Analytikerin, den Analytiker voraus?
Der Autor wird an der Veranstaltung nach einführenden Bemerkungen mit einer Vorbereitungsgruppe in einen Dialog treten (vgl. vorstehende Ausschreibung).
Christian Kläui, Dr. med., Psychoanalytiker aus Basel, engagiert in entresol, dem Netzwerk für Philosophie, Psychoanalyse und Wissenschaften der Psyche, sowie Mitherausgeber der Zeitschrift Riss.
Datum: Freitag, 7. Mai 2010, 20.00 Uhr
Ort: Hochschule für Soziale Arbeit (HSA), Werftstrasse 1, Luzern
Zimmer 133 ( 1. Stock)


